Stadt Frankenberg Sachsen

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11.06.2021 - Ideenwettbewerb Gedenkstätte KZ Sachsenburg - Siegerentwurf ermittelt

Die Stadt Frankenberg/Sa. hat am 1. August 2020 einen internationalen Ideenwettbewerb für Architekten und Künstler sowie interdisziplinäre Teams mit Erfahrungen in ganzheitlicher oder memorialer Ausstellungsgestaltung ausgelobt. Ziel des Wettbewerbs ist es, die auf dem Gelände der Gedenkstätte liegende sogenannte „Kommandantenvilla“ des ehemaligen Konzentrationslagers (KZ) Sachsenburg zu sichern und als Teil der zu errichtenden Gedenkstätte umzugestalten.

Ergebnisse der Jurysitzung vom 08./09.06.2021

Am Dienstag, den 08.06.2021 sowie am Mittwoch, den 09.06.2021 hat das Preisgericht zur Ermittlung der Siegerentwürfe im Rahmen des ausgelobten Wettbewerbes getagt. Insgesamt sind 64 Wettbewerbsbeiträge eingegangen. Die Jury war beeindruckt von der Vielfältigkeit der Lösungsvorschläge und von der Sorgfalt und Tiefgründigkeit, mit der sich der überwiegende Teil der Wettbewerbsbeiträge diesem sensiblen Thema angenähert hat.

Im Rahmen der Sitzung wurden folgende eingereichte Entwürfe seitens des Preisgerichtes prämiert:

 

1. Preis - "Annäherung in Zahlen" 

Georgi Architektur+Stadtplanung GmbH, Alexander Georgi und Christiane Kleinhempel, unter Mitwirkung von Felix Messing und Franziska Nürnberger
aus Chemnitz

-Erläuterungen Siegerentwurf

-Präsentationspläne Siegerentwurf

2. Preis - "Nach oben offene Käfig-Raum-Struktur aus Stahlstangen" 

Peter Alt Architekten Stadtplaner, Peter Alt, aus Saarbrücken und Paul Pattay aus Sankt Ingbert, unter Mitwirkung von Christian Becking aus Saarbrücken

-Entwurf 2. Platz

-Erläuterungspläne 2. Platz

3. Preis - "Der Echoraum der Geschichte"

Aleksandra Shulevska, Kristof Schlüßler, Nikolai von Rosen, unter Mitwirkung von Chiara Carrera und Hannes Hehemann, aus Berlin und Jonatan Banz, aus Cully (Schweiz).

-Präsentationsplan dritter Platz

Ankauf - "Die Blaupause - Verwandlung in ein skulpturales Objekt"

de + architekten GmbH, Jan Dilling und Claudia Euler, und Simon Wachsmuth
aus Berlin

- Präsentation "Die Blaupause - Verwandlung in eine skulpturales Objekt"

Ankauf - "Ruine mit Baumpflanzung"

Jordi Keller Pellnitz Architekten, Prof. Dr. Alexander Pellnitz und Marc Jordi, unter Mitwirkung von Nandor Kovac und Yannick Langer
aus Berlin

- Präsentation "Ruine mit Baumpflanzung"

Den Siegerinnen, Siegern und Platzierten die herzlichen Glückwünsche.

Die Stadt Frankenberg/Sa. dankt sehr herzlich allen teilnehmenden Entwurfsverfasserinnen und -verfassern sowie dem Preisgericht. Nach Feststellungen der Prämierten wurden die Verfassererklärungen verlesen. Dabei ist eine internationale Beteiligung festzustellen – so waren Einreichungen aus Schweden, Finnland, England, Österreich und der Schweiz zu verzeichnen.

Eine Ausstellung aller eingereichten Arbeiten ist unter Beachtung der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung voraussichtlich ab 23. Juni 2021 im Kommunikations- und Dokumentationszentrum (An der Zschopau 1, 09669 Frankenberg/Sa., OT Sachsenburg) geplant. Einzelheiten zu Öffnungszeiten und Corona-Schutz-Maßnahmen werden separat veröffentlicht.

Die Ergebnisse des Ideenwettbewerbes finden im Gedenkstättenkonzept weitere Berücksichtigung im Rahmen des Antragsverfahrens auf Bundesgedenkstättenförderung.

 

Besetzung der Jury

Fachpreisrichter*innen

Herr Prof. Martin zur Nedden, Planer, Beigeordneter a.D., Leipzig
Herr Udo Scholz, Architekt, Käbschütztal
Frau Franziska Schieferdecker, Landschaftsarchitektin, Dresden
Frau Claudia Scheffler, Künstlerin, Dresden
Herr Prof. Rainer Schade, Künstler, Leipzig (ständig anwesender stellvertretender Fachpreisrichter)

Sachpreisrichter*innen

Herr Bürgermeister Thomas Firmenich, Frankenberg/Sa.
Herr Sven Riesel, Stiftung Sächsische Gedenkstätten
Frau Sandra Saborowski, Frankenberg/Sa.

Frau Prof. Dr. Stefanie Endlich, Berlin war zum Sitzungstermin entschuldigt.

Sachverständige

Herr Alf Furkert, Sächsischer Landeskonservator, Dresden
Herr Prof. Markus Santner, Hochschule für Bildende Kunst, Dresden
Frau Iris Firmenich, Stadträtin Frankenberg
Frau Ramona Weber, Stadträtin Frankenberg
Herr Falko Schurig, Stadtrat Frankenberg
Frau Gisela Heiden, Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg e.V.

Die in der Auslobung benannten Sachverständigen Herr Prof. Mike Schmeitzner, TU Dresden, Hannah-Arendt-Institut sowie  Herr Jens Nitschke, leisureworkgroup GmbH, Hamburg waren zur Sitzung entschuldigt.

Die Vorprüfung wurde durch den wiss. Projektmitarbeiter Herr Dr. Mykola Borovyk sowie Herrn Falk-Uwe Langer, Landratsamt Mittelsachsen, Untere Denkmalsbehörde, Herrn Lutz Holzhey, Landratsamt Mittelsachsen, Wasserbau, Gewässer- und Hochwasserschutz, Herrn Michael Thiel, Bauamtsleiter Stadt Frankenberg/Sa. sowie der Architektin Kerstin Bochmann, BOCHMANN Architekten durchgeführt.

Zur Auslobung

Die „Kommandantenvilla“, die von Anfang 1933 bis zum 12. Juli 1937 ein zentrales Element der NS-Herrschaft vor Ort darstellte, ist in einem ruinösen Zustand. Eine komplette Sanierung ist aufgrund des schlechten Zustandes der Bausubstanz und Statik des Gebäudes nicht möglich. Von den Einreichungen wurde erwartet, Ideen für die verschiedenen Herangehensweisen zur Umgestaltung der „Kommandantenvilla“ unter Betrachtung der erhaltbaren Elemente zu entwickeln, um sie später mit dem Sieger des Wettbewerbes zu realisieren. Rechtsgutachten, Statik- und Baugutachten sowie denkmalbehördliche Auflagen ergänzten die Aufgabenstellung des Ideenwettbewerbes, um den Wettbewerbsteilnehmern einen umfassenden Überblick der Situation zu übermitteln.

Die Auslobung wurde im gemeinsamen und fortwährenden Dialog mit dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft, dem Landesamt für Denkmalpflege, der unteren Denkmalbehörde des Landratsamtes Mittelsachsen sowie unter wissenschaftlicher Begleitung erstellt und zivilgesellschaftliche Akteure beteiligt. Die Stadt Frankenberg/Sa. wurde bei diesem Vorhaben vom Büro FachGesellschaft für Umweltplanung und Stadtentwicklung mbH (fagus) aus Markkleeberg begleitet.

Da der Erhalt der Bausubstanz nur in Teilen möglich sein wird, wurden künstlerische und besondere architektonische / landschaftsarchitektonische Überformungen erwartet, die das historische Gebäude und das unmittelbare Außengelände wahrnehmbar machen.

Die Angemessenheit der Lösungen in Bezug auf die Wiedererkennbarkeit des Gebäudes, dem Wirken im Gesamtgedenkstättenkontext und für eine dauerhafte Nutzbarkeit als Teil des Ausstellungsgeländes in einem weitläufigen Freiraum ist dabei von besonderer Wichtigkeit. Dabei sind insbesondere die Anliegen des Denkmal- und Hochwasserschutzes zu beachten.

Einreichfrist war der 30.10.2020. Am 01.09.2020 fand für Interessierte ein Kolloquium statt. Das vielseitig zusammengesetzte Preisgericht sollte bereits Ende November über den Siegerentwurf entscheiden, musste aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden.

Diese Maßnahme wird finanziert durch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten aus Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.

 

Hintergrund: Das frühe Konzentrationslager Sachsenburg

In Sachsenburg wurde Anfang 1933 von den Nationalsozialisten in den Werksanlagen der vormaligen Spinnerei ein „Schutzhaftort“ errichtet, der bis 1937 als Konzentrationslager ausgebaut und betrieben wurde. Sachsenburg hebt sich von den anderen authentischen Orten der Geschichte des Nationalsozialismus ab, da sich in der ehemaligen Zwirnerei und teilweise auch auf dem Schloss Sachsenburg das bedeutendste und am längsten betriebene frühe KZ in Sachsen befand, das man auch als einen Vorläufer der späteren Lager wie Buchenwald und Sachsenhausen bezeichnen kann. Im Juli 1934 von der SS übernommen, ist es das einzig verbliebene sächsische KZ bis in das Jahr 1937. Dort wurden nicht nur politisch Andersdenkende, Juden, Zeugen Jehovas, katholische und evangelische Geistliche, „Kriminelle“ und sogenannte „Asoziale“ in „Schutzhaft“ genommen, sondern auch Wachmannschaften militärisch ausgebildet sowie SS-Kommandanten ausgewählt und auf ihre „Karrieren“ vorbereitet. Während des gesamten Zeitraums von 1933 bis 1937 wurden ca. 10.000 Gefangene im KZ Sachsenburg inhaftiert. Das Gebäudeensemble wurde nach 1937 bis 1990 wieder als Produktionsstandort genutzt. Das Gelände ist daher weitgehend erhalten.

 

 

Pressestelle
Stadt Frankenberg/Sa.